Imkern im Vollherbst – Varroabekämpfung

Bild Iris aus der Iris-Imkerei

Die Imkerliche Handwerkskunst im Herbst ist es, das Einfüttern und die Varroabekämpfung in den Rythmus des Herbstes einzutakten.

Bekämpfung der Varroamilbe

1. Die Windel – Tagebuch eines Bienenvolkes – Diagnose

Also heißt es für die Imkerin: Den natürlichen Milbentotenfall unter dem Gitterrost zählen und so spät wie möglich und so früh wie nötig Maßnahmen ergreifen.

Denn egal ob Völkerteilung oder Behandlung mit Ameisensäure oder Oxalsäure, es gilt eine Vielzahl von Randbedingungen zu beachten. Nicht zu warm darf es sein, nicht zu kalt, nicht zu nass, nicht zu früh, um die Winterbienenbrut zu schonen, aber rechtzeitig genug, um möglichst viele Brutzyklen der Milbe zu stören und zu unterbrechen.

Keine einfache Aufgabe. Und jedes Volk ist anders. Sie unterscheiden sich in Volksstärke und Brutverhalten, Putzverhalten und haben auch noch ein paar Geheimnisse, die wir in Bezug auf den Milbenbefall noch nicht wissenschaftlich klären konnten.

Was sehe ich auf der weissen Pappe unterm Bienenvolk: Wie sitzt das Volk? Wo befindet sich die Brut? Gab es Kämpfe mit Eindringlingen oder Untermieterin? Wird gerade viel oder wenig Pollen für die junge Brut eingetragen? Brüten sie überhaupt noch?

Die Analyse der Windel ist eine der wichtigsten Methoden, um das Bienenvolk einzuschätzen ohne den Deckel zu öffnen. Ein kleines Tagebuch der letzten Tage oder Woche. Auch die verstorbenen Varroamilben fallen nach etwa 14 Tagen Lebenszeit durch den Gitterboden. Je nach Jahreszeit und Volksstärke lässt sich hieraus über einen Umrechnungsfaktor aus wissenschaftlichen Studien der Gesamtbefall grob abschätzen.

2. Die Behandlung: Erst sanft und dann Holzhammer?

Zu den sanften Methoden zählt es, das Volk an seinem höchsten Entwicklungspunkt zu teilen. Der sogenannte Flugljng ist brutfrei und kann witterungsunabhängig mit der gut wirksamen Oxalsäure nach 3 Tagen eingesprüht werden. In ihm bleibt die alte Königin.

Der sogenannte Brutling behält alle Brut und alle Pflegebienen. Nach ein paar Minuten werden die Bienen nun ohne Königin unruhig und beginnen eine geeignete Larve für die Nachschaffung einer neuen Volksmutter anzulegen. 5+8 Tage wird es dauern, bis zu ihrem Schlupf. 21 Tage nach der Teilung ist auch die letzte Arbeiterinnenbiene geschlüpft, nach 24 Tagen der letzte Drohn. Jetzt ist das Volk für kurze Zeit brustfrei, denn die neue Königin braucht etwa 5 Tage nach ihrem Hochzeitsflug, bevor sie Eier legt. Nun wird auch der Brutling mit Oxalsäure besprüht. Innerhalb von 3 Tagen, fallen 90 Prozent der Varroamilben ab. Das Volk ist befreit. Fürs Erste.

Die zweite Methode ist die Behandlung mit Ameisensäure über mehrere Tage. Diese ist auch im brütenden Volk anwendbar, allerdings wesentlich witterungsabhängiger – warm sollte es sein und trocken. Eine Herausforderung für den imkerlichen Terminkalender vom August bis zum Oktober und den Wetterfrosch im hohen Norden.

In der Iris-Imkerei benutze ich diese Methoden der Varroabekämpfung.

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Isy

Iris Wessolowski - Imkerin, Natur- und Gartenenthusiastin, Wissenschaftspodcasterin

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