Imkern im Spätsommer – Völkerpflege

Die letzte Honigernte ist vorbei. Die Sommersonnenwende wird von den Bienen registriert und sie verkleinern immer weiter ihr Brutnest und stoppen die Brut der Drohnen. Ende Juli werfen sie nach und nach die letzten Männer aus dem Volk. Die Vorbereitungen für das Einwintern beginnen sich zu zeigen. Die letzte große Tracht der Winterlinde verblüht und der August läppert noch ein wenig Nektar und Pollen zusammen. Viel Honig ist nur noch zu holen, wenn die Blattläuse kommen oder die Esskastanien oder der Efeu im Herbst noch erblüht. Ich beginne ab jetzt mit dem Auffüttern von Zuckersirup und ersetzen so den entnommenen Honig als Wintervorrat. Knapp 20 kg davon benötigt ein Wirtschaftsvolk an einem kühlen Standort.

Bekämpfung der Varroamilbe

Sobald der letzte Honigraum abgenommen wurde, beginnt auch schon die Kontrolle des Varroabefalls. Die kleinen Parasiten sitzen auf den Bienen und vermehren sich, indem sie sich kurz vor dem Verdeckeln der frischen Brut in die Brutzelle zu der Bienlarve fallen lassen. Dort zapft die Muttermilbe die Bienenlarve an und pflegt ein männliches und mehrere weibliche Nachkommen. Diese wachsen über die folgenden 10 Tage heran und nähren sich von der Bienenlarve. Aus einer Milbe werden bis zu fünf neue Milben, die mit der geschwächten Biene zusammen schlüpfen.

Der Anfang vom Ende für ein Bienenvolk im Herbst. Denn im Spätsommer und Herbst werden die Winterbienen erbrütet. Langlebig sind diese, wenn sie gesund sind. Sie tragen in ihrem Eiweißreservoir die Nahrung der nächsten Generation über den Winter. Sie sichern den Erhalt des Volkes und den Neustart im Frühjahr des nächsten Jahres. Doch nur, wenn das Volk mit möglichst wenig Varroamilben einwintert. Die Milben ernähren sich nämlich auch von besagtem Eiweiß im Bienenkörper und vom Bienenblut. Huckepack lassen sich die geschlüpften Milben von den jungen Ammenbienen zur nächsten offenen Brutzelle tragen, um sich weiter dann zu vermehren. Ein schrecklicher Kreislauf droht!

Also heißt es für die Imkerin: Den natürlichen Milbentotenfall unter dem Gitterrost zählen und so spät wie möglich und so früh wie nötig Maßnahmen ergreifen. Denn egal ob Völkerteilung oder Behandlung mit Ameisensäure oder Oxalsäure, es gilt eine Vielzahl von Randbedingungen zu beachten. Nicht zu warm darf es sein, nicht zu kalt, nicht zu nass, nicht zu früh, um die Winterbienenbrut zu schonen, aber rechtzeitig genug, um möglichst viele Brutzyklen der Milbe zu stören und zu unterbrechen. Keine einfache Aufgabe. Und jedes Volk ist anders. Sie unterscheiden sich in Volksstärke und Brutverhalten, Putzverhalten und haben auch noch ein paar Geheimnisse, die wir in Bezug auf den Milbenbefall noch nicht wissenschaftlich klären konnten.

Gruß milbenzählend vom Bienenstand, Iris

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Isy

Iris Wessolowski - Imkerin, Natur- und Gartenenthusiastin, Wissenschaftspodcasterin

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